Weltmädchentag

Bernoulli, Tesla, Hess, Lissajous – das ganze Studium über lernt man alle möglichen Gesetze, Formeln und die Geschichte diverser Erfindungen. Dabei stellt man schnell fest, dass neben Marie Curie nicht sonderlich viele Frauen dabei aufscheinen. Woran liegt das? Gab es vor der Jahrtausendwende keine Wissenschaftlerinnen?

 Natürlich gab es sie! Seit der Antike gab es in allen Bereichen Frauen, die genauso wie Männer Entdeckungen gemacht haben. 1200 BC gab es Tapputi, die erste Chemikerin der Welt und Peseschet aus Äqypten gilt als erste Ärztin. Medizin war generell eines der Gebiete mit dem größten Frauenanteil und sogar in dem patriarchischen Römischen Reich gab es Fachärztinnen.

Genauere Aufzeichnungen gibt es über die Schule des Pythagoras und die von Epikur, in dem Frauen wie auch Männer willkommen waren. Arete von Kyrene war nicht nur Lehrerin, sondern auch Schuloberhaupt der kyrenischen Schule. Diese Zeit der gleichberechtigten Forschung streckte sich über gut 7. Jahrhunderte hinweg und brachte unter anderem das Tribikos, ein Destillationsapparat, und das Marienbad von Maria Prophetissa hervor.

Im Mittelalter gab es in christlichen Ländern wenig Forschung außerhalb von Klöstern, weswegen es wenig verwunderlich ist, dass eine der weltweit ersten Universitäten in Marokko entstanden ist. Die Gründerin war Fatima al-Fihri um ca. 900 nach Christus. In Europa gab es in der Zwischenzeit viele gebildete Nonnen wobei Hildegard von Bingen wohl die bekannteste war. Sie lebte im 12.Jahrhundert und verband in ihren Werken Volksmedizin mit dem römisch-griechischen Wissen.

In der Neuzeit durften aber nur Männer an den meisten Universitäten studieren, weshalb Frauen oft zusammen mit ihren Ehemännern oder im Selbststudium forschten. Eine Ausnahme war die Universität in Bologna wo 1732 die erste Universitätsprofessorin Europas forschte.

Seit ungefähr Anfang des 20. Jahrhunderts durften Frauen an österreichischen Universitäten studieren und trotzdem sind vor allem technische Berufe eher männerlastig. Die TU-Graz erlaubte erst ab 1919 Studentinnen.  Die 800 Jahre in denen erst die Kirche und dann der Staat es Frauen so schwer wie möglich gemacht hat, Bildung zu erhalten sind immer noch bemerkbar. ‘Männerberufe’ und ‘Frauenberufe’ sind leider noch fest in der Gesellschaft verankert.

Zu dem diesjährigen Mädchentag wollen wir, das Referat für Frauenpolitik der HTU Graz, euch also erinnern, dass Frauen eine wichtige Rolle in der Technik und der internationalen Forschung haben. Deshalb stellen wir euch nun einige Frauen vor, die es seit dem Öffnen der Universitäten für Frauen geschafft haben, in der Welt der Wissenschaft einen Durchbruch zu erzielen. Dies ist natürlich nur eine ausgewählte Liste, da eine vollständige Aufzählung den Rahmen dieses Blogs sprengen würde.

Starten wollen wir mit ein paar nicht allzu bekannten Damen. Martha Spiera, eine Chemikerin, war 1923 die erste Absolventin der TU Graz. Die erste Architekturabsolventin, Herta Frauneder-Rottleuthner, meinte: „Als Frau musst du immer bei Null anfangen“. Damals gab es noch wesentlich weniger Studentinnen und die meisten beendeten ihr Studium nie. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Zahl an jährlichen Abschlüssen zweistellig und heute sind bereits ein Viertel unserer Studierende weiblich!

Weiter geht es mit einer der berühmtesten Frauen der modernen Technik: Grace Hopper. Sie war nicht nur eine der ersten Programmiererinnen, sondern erfand auch den ersten Compiler! Auch wird die Bezeichnung von einem Bug auf sie zurückgeführt. Zu Recht wurde sie von ihren Kollegen auch als „Amazing Grace“ bezeichnet.

Hedy Lamarr war eine sehr bemerkenswerte Frau, die nicht nur Erfinderin, sondern auch Schauspielerin war. Sie stellte sich im zweiten Weltkrieg auf die Seite der Alliierten und entwickelte eine Funkfernsteuerung für Torpedos. Heute wird das Verfahren noch bei Bluetooth verwendet.

„Die Liste der Frauen, die in verschiedenen wissenschaftlichen Situationen übergangen oder ignoriert wurden, ist lange und deprimierend. „

Lise Meitner war an der Erklärung der Kernspaltung beteiligt, doch ihre Arbeit wurde erst später anerkannt, da sie im Nazideutschland verfolgt wurde. Sie ging die ersten zwei Jahre ihres Studiums, mit Hilfe von Otto Hahn, illegal zu Vorlesungen und arbeitete später als Assistentin von Max Planck. Obwohl sie und ihr Neffe maßgeblich an dem Nachweis der Kernspaltung beteiligt waren, bekam nur Otto Hahn den Nobelpreis. Er selbst versuchte Lise Meitner ebenfalls für diese Auszeichnung vorzuschlagen, leider erfolglos.

Ebenfalls nur später für ihre Leistungen anerkannt wurde Rosalind Franklin, die inzwischen fast schon berühmt dafür ist, dass Crick und Watson ihre Forschungsnotizen über die Doppelhelix der DNA kopiert haben. Auch sie erhielt nie den Nobelpreis, der ihr zustand.

Die Liste der Frauen, die in verschiedenen wissenschaftlichen Situationen übergangen oder ignoriert wurden, ist lange und deprimierend. Doch gibt es trotzdem elf weibliche Nobelpreisträgerinnen für Chemie und Physik!

Marie Curie war für beide Kategorien die erste und ihre Tochter, Irène Joliot-Curie, folgte einige Jahre später, ebenfalls für Forschung im Bereich der Radioaktivität. Dieses Jahr bekamen gleich drei weitere Frauen in der Wissenschaft diesen Preis. Andrea Ghez, die ein supermassives kompaktes Objekt im Zentrum unserer Galaxie entdeckte, Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna, die zusammen eine Methode zur Genom-Editierung entwickelt haben. Alle drei sind renommierte Wissenschaftlerinnen auf ihren Gebieten und zeigen wie weit man in der heutigen Zeit als Frau kommen kann – nämlich gleich weit wie jeder Mann!

Vielleicht ist der Start etwas holpriger, vielleicht hat man mehr Druck, gleichzeitig zum Studium auch eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen, aber das Vorbild vieler unzähliger Frauen zeigt, dass es möglich ist!

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