World Mental Health Day


Jedes Jahr am 10. Oktober wird der World Mental Health gefeiert (wobei so wirklich zu feiern gibt es da nichts). Das diesjährige Thema ist „Mental Health for all“ als „psychische Gesundheit für alle“.
Eigentlich ein schöner Wunsch, der aber leider noch nicht der Realität entspricht. Laut einer Studie des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen ist jede 2. Person in Österreich von psychischen Erkrankungen betroffen. 63% sind dazu bereit darüber mit ihrer Familie und Freunden zu sprechen. Am Arbeitsplatz hingegen wollen nur 21% darüber sprechen. Übrigens sinkt diese Zahl für Junge Erwachsene bis 30-Jährige -also der Großteil der Studierenden- auf 16%. Wie man erkennen kann, ist es also immer noch stigmatisiert psychische Probleme zu haben, obwohl eigentlich die Hälfte der Bevölkerung damit Probleme hat.
Vor allem, da meistens über weitaus trivialere und weniger nachvollziehbare Probleme viel offener geredet wird.

Genau aus diesem Grund ist es auch wichtig auf solche Probleme aufmerksam zu machen. Laut WHO sterben jedes Jahr fast 800.000 Personen aufgrund von Suizid. Das sind ungefähr ein Tod durch Suizid alle 40 Sekunden. Schätzungsweise liegt die Zahl der Suizidversuche jedoch viel höher und bewegt sich irgendwo um die 20 Versuche pro Todesfall. Wie diese erschreckenden Zahlen vermuten lassen, ist Suizid unter anderem auch die zweit größte Todesursache für Personen im Alter zwischen 15-29.

Natürlich sind Todesfälle ein großer Schock für alle Angehörigen, jedoch ist psychische Gesundheit so viel mehr, als nur Menschen davon abzuhalten, sterben zu wollen. Wer jetzt an weitere Störungen wie Depressionen, Angststörungen, Essstörungen und Zwangsstörungen denkt, ist zwar auf einem “guten” Weg, jedoch sind im DSM-5 ganze 374 Krankheiten und Diagnosen in 22 Kategorien unterteilt. Man erkennt also, dass es sich um ein Meer aus weitaus komplexeren Problemen handelt, als man vorab annehmen würde.

Darüber hinaus sind psychische Erkrankungen und Störung nur selten sichtbar und oft zusätzlich komplett missverstanden. Wer sich den Fuß gebrochen hat oder an einer Grippe leidet, wird unschwer von allen als krank wahrgenommen und man kann sich mehr oder weniger in die Person und ihr Leid hineinversetzen. Man muss keinen Bruch erlitten haben, um zu verstehen, dass man dabei Schmerzen verspürt. Und selbst wenn einem nicht der selbe Grippevirus zum Verhängnis geworden ist, kann man sich zumindest an das eine Mal, wo man mit 38,7°C im Bett gelegen ist, erinnern.

“ Hilfe zu benötigen und Anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Stärke. „


Wenn nun aber betroffene Personen von ihren psychischen Krankheiten erzählen, stößt man großteils auf Unverständnis und Vorurteile. Depressionen sind nicht einfach nur eine traurige Phase, genau so wie Zwangsstörungen nicht ein Ordnungs-, Putz- oder Symmetriewahn sind, oder Essstörungen nicht nur Mädchen und junge Frauen sind, welche seit gefühlt 29384 Tagen kein Essen mehr zu sich genommen haben. Solche Stigmatisierungen halten viele oft davon ab über ihr Leid zu sprechen, obwohl es eigentlich unheimlich wichtig wäre. Dadurch entsteht ein Teufelskreis aus einer ständigen Verschlimmerung, weiterer Geheimhaltung und Vertuschung und daraus resultierende Einschränkungen im Leben allgemein, welche dann auch das Studium und Arbeit negativ beeinflussen können. Und hier geht es auch gar nicht um die erbrachte Leistung bzw. die Leistungsminderung, sondern um das Leid, welche diese Person ertragen muss, welches dazu führt.
/Als kleine Anmerkung der Autorin: Natürlich gibt es auch körperliche Krankheiten wie z.B. Diabetes, von denen sogar alle schon mal gehört haben, welche ebenso nicht offensichtlich sind und für denen die meisten auch keinen persönlichen Bezug haben. Aufklärung und Entstigmatisierung sind auch in diesem Bereich absolut notwendig./

Falls ihr euch nun Fragt wie man als außenstehende Person, betroffenen Personen helfen bzw. jene unterstützen kann, gibt es leider keine universale Lösung.
Da es jedoch trotzdem wichtig ist, sich damit auseinander zu setzen sind einige hilfreiche Punkte aufgelistet:

  • Informiere Dich über die Krankheit(en).
    Es gibt meist Resourcen für Betroffene als auch Angehörige. Beide können Wertvolle Informationen im Umgang miteinander enthalten. Achte hier bitte auch dringendst auf die Richtigkeit und wissenschaftliche Fundierung der Quelle(n).
  • Suche das Gespräch mit der betroffenen Person; höre ihr zu und schenke ihr Respekt.
    Jede Person hat unterschiedliche Bedürfnisse und Sorgen. Es ist wichtig sich gegenseitig zuzuhören und eine Vertrauensbasis aufzubauen. Versuche soweit es Dir möglich ist auf Bitten bzw. Hilfestellungen einzugehen, aber pass dabei auch auf, Krankheitssymptome und negatives Verhalten nicht zu ermöglichen. Der Unterschied ist oft nur fein und nicht sofort erkennbar. Professionelle Hilfe bzw. Input ist hier sicher angebracht und oft auf nötig. Solltest Du aber in einer Situation sein, wo diese nicht verfügbar ist, versuche immer nach bestem Gewissen zu Handeln. Sei Dir aber auch bewusst, dass du nicht in der Lage bist Diagnosen zu stellen (außer Du bist eine Fachkraft) und die Situation falsch einschätzen kannst .
  • Professionelle Hilfe und Therapie können sehr hilfreich bis unerlässlich sein.
    Die betroffene Person muss damit natürlich einverstanden sein, jedoch kann professionelle bis zu 90% Wirksamkeit erzielen. Es gibt eine Vielzahl an Arten von Hilfe, sowie Therapien, welche für jede Person unterschiedlich wirksam sind. Es ist hier auch wichtig anzumerken, dass es sich um einen langwierigen Prozess handeln kann, bei welchem ein unterstützendes soziales Umfeld sich positiv auswirken kann.

Falls Du selbst Betroffen bist und Hilfe suchst bzw. benötigst, gibt es hier einen kurzen Überblick über das universitäre Angebot.

 Kurz zusammengefasst, gibt es von der TU-Graz

  • Als erste Anlaufstelle, Hilfe, sowohl online via Student Helpchat (4 Einheiten á 40 Minuten), als auch Persönliche Beratung(3 Beratungseinheiten á 50 Minuten).
  • Alternativ dazu gibt es ebenso die psychologische Studierendenberatung welche unter anderem Beratung und auch Psychotherapie anbieten.

Hilfe zu benötigen und Anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Stärke. Ich wünsche dir alles Gute auf deinem weiteren Weg.

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