Willkommen im Sommersemester

1 Jahr Corona Edition oder eine Erinnerung an die Feste die einmal waren

Der März ist da! Die Sonne strahlt jetzt sogar schon früher als die ersten Lehrveranstaltungen, das Dosenbier ist aus seinem Winterschlaf wieder in die Parks und dem Schlossberg zurückgekehrt und selbst die intensive Prüfungsphase ist mehr oder weniger beendet. Also eigentlich fast alles so wie es immer war. Zumindest wenn man vor der in etwa ein Jahr anhaltenden COVID-19 Pandemie absieht. Aber wie war das früher eigentlich? Damals, als man jederzeit mit seinen Mitstudierenden auf der Uni lernen, feiern und manchmal auch weinen durfte.

Damals, im fernen Jahre 2020, am elften März erklärte die WHO COVID-19 zur weltweiten Pandemie und seitdem blieben die Universitäten mit wenigen Ausnahmen geschlossen. Anbetracht dessen, dass die Pandemie für niemanden mehr wirklich eine Überraschung ist, und sie doch schon etwas länger gedauert hat, werden sich einige der Lesenden bereits fragen, ob es jemals wieder Beiträge über etwas anderes zu lesen gibt. (Die Redaktion behält sich vor weiterhin Texte darüber zu verfassen, sofern nicht andere aktuelle Themen interessanter und prävalenter im Unialltag sind.)

Aber da das Thema eh nicht wirklich viel Neues mit sich bringt und man selbst auch nicht unzählige Male dasselbe lesen und schreiben will, soll es hier nur beiläufig um die Pandemie selbst gehen. Schließlich ist es ja eigentlich „The same procedure as last year.“. Genauso wie Miss Sophie sitzen wir allein Zuhause und feiern vielleicht das eine oder andere Geschehnis, nur leider ohne Freunde. Aber zurück zum eigentlichen Thema. Also wie genau war das dann früher eigentlich? War es wirklich immer so viel besser, wie alle behaupten?

Um auf die Frage, was sich jetzt verändert hat, antworten zu können und dabei nicht wie eine stecken gebliebene Schallplatte zu klingen, ist es vielleicht erfrischend sich einmal die Verbesserungen anzuschauen. Negatives hört man ja eh schon von allen Seiten.

Ein positives Beispiel ist, dass nun der Großteil der Lehrveranstaltungen online Zuhause mitverfolgt werden kann und auch aufgezeichnet wird. Einige von uns können sich noch an den Genuss verschiedenster Lehrveranstaltungen erinnern, welche pünktlichst um 8:00 Uhr angefangen haben. Und das alles ganz ohne die Möglichkeit, alles gemütlich vom Bett aus live mit anzusehen. Damals musste man sich noch auf die Uni begeben und hoffen, dass man als Radfahrender nicht vom Berufsverkehr angepöbelt wird. An dieser Stelle möchte ich erneut ein Appell an die Stadt Graz richten. Bitte gebt uns endlich Radwege.
Aber nicht nur „faule“ Studierende, welche einfach länger schlafen möchten, profitieren jetzt davon. Man hat nun endlich die Möglichkeit, sich Teile oder sogar die gesamte Vorlesung erneut anzuschauen und sich somit hoffentlich besser vorbereiten zu können. Studierende mit anderen Verpflichtungen bzw. Verhinderungen haben jetzt nicht einfach nur Pech, wenn sie aus den verschiedensten legitimen Gründen nicht zu Lehrveranstaltungen erscheinen können, was ebenso für mehr Gerechtigkeit sorgt. Genau dasselbe gilt auch für Online-Prüfungen; zumindest sofern sie nicht gefühlte zehn Kameras, fünf Bildschirme, einen funktionierenden Drucker und den Stein der Weisen als Mindestanforderung zur Teilnahme haben.

Soweit so gut, bis jetzt klingt das alles ja eigentlich ganz positiv. Und das ist es ja auch, aber eben genau da liegt auch das Problem der reinen online Lehre bzw. der Pandemie im Allgemeinen. Man arbeitet viel weniger zusammen und hat gleichzeitig auch weniger Möglichkeiten sich auszutauschen. Früher traf man sich entweder bei der Aufnahmeprüfung, später dann auf den Welcome Days oder allerspätestens dann auf der Uni selbst, sei es bei den Ersti-Tutorien oder Lehrveranstaltungen. Diese konnten zwar in stark abgeschwächter Form dieses Wintersemester stattfinden, aber wenn ich an mein erstes Semester zurückdenke, ist das kaum damit zu vergleichen. Ich war oft mit vielen meiner Mitstudierenden von 8:15 bis 22:00 Uhr im Lernzentrum, wie sehr viele andere aus allen Semestern auch. Es war nie unüblich, um 3:00 Uhr morgens noch mit anderen mehr oder weniger bekannten Menschen schweigend und leicht verzweifelt an seinen Übungen zu arbeiten.

Aber die richtige Primetime, um unironisch Tag und Nacht auf dem Campus zu verbringen, war sicher immer der Sommer. Im Winter ist es kalt und dunkel, man möchte sich eigentlich nur wieder in das eigene Bett kuscheln und es gibt nur so viele Glühweinstände, bis man keine Gewürze welche in billigem Wein aufgekocht wurden, mehr riechen kann. Natürlich wünschen sich auch viele im Sommer wieder Zuhause im Bett liegen zu können, aber zumindest ist es doch für die meisten deutlich einladender, bei den sommerlichen Temperaturen mit anderen etwas zu unternehmen. Obwohl es zwar die Uni ist, geht es dann auch nicht nur mehr ums Lernen, sondern auch um die sozialen Kontakte und den Austausch untereinander und vor allem, um die stark erhöhten Möglichkeiten dazu. Wie viele vielleicht wissen, sind Lernzentren zwar keine Bibliothek und es ist deutlich weniger problematisch sich dort normal zu unterhalten, aber wirklich laut oder allgemein störend sollte man dort trotzdem nicht sein. Und zum Glück muss man das auch nicht. Neben den wärmeren Temperaturen, welche auch die Bänke im freien einladend aussehen lassen, gab es in den Pre-COVID-19 Jahren fast jeden Tag irgendwo auf den verschiedenen TU-Campus Feste von der einen oder anderen Studienvertretung.
Was von außen zwar zuerst nach unverantwortungsvollen erhöhten Alkoholkonsum anhört, ist viel mehr als nur das. Feste sind ein Ort, an denen neue Bekanntschaften gebildet und bestehende gestärkt werden. Ein Ort, wo man kurz vergessen darf, dass man noch 42 Fehler im Code ausbessern muss und dann noch die letzten 38 Seiten im Skriptum nachlesen sollte, da man davon überhaupt nichts in der Vorlesung verstanden hat. Und das ist auch ok. Die wenigsten von uns können Tag und Nacht Leistungen erbringen und wir alle haben uns eine Auszeit verdient.

Und wenn man ganz ehrlich ist, geht es hier gar nicht nur um die Feste auf der Uni, oder die Lernzentren selbst, sondern darum, dass die meisten von uns seit fast einem Jahr nicht mehr auf der Uni waren und auch keine wirkliche Aussicht auf ein „klassisches“ Studienumfeld haben. Klar kann man sich im Stadtpark oder sonst wo mit Freunden treffen, oder man spielt abends Gesellschaftsspiele mit dem Rest der WG. Aber so wirklich dasselbe, wie auf der Uni sich mit anderen zu treffen, zu lernen und sich zu vergnügen, ist das nicht.

An dieser Stelle kommt nun normalerweise ein Apell sich weiterhin an die bestehenden Hygienemaßnamen zu halten, aber ich erspare Euch die vielen Worte, da wir alle wissen, um was es geht. Bitte nehmt die Pandemie einfach weiterhin ernst und verhaltet Euch verantwortungsvoll, damit es irgendwann wieder möglich ist, zu siebt, zusammengequetscht auf einer Bank inmitten des Campus Eurer Wahl zu sitzen, verschiedene Getränke zu konsumieren und dabei zu denken, dass studieren zwar anstrengend sein kann, aber auch viele schöne Momente mit sich bringt.

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